Carlos Leal ist durch und durch Künstler. Aufgewachsen in der Westschweiz mit spanischen Wurzeln, beherrscht er neben der französischen, spanischen und deutschen Sprache auch die italienische und englische. In der Schweiz wurde er durch die Musik und der Band Sens Unik bekannt. Nach seiner Karriere bei Sens Unik folgte er seiner künstlerischen Ader und macht jetzt Theater und Film.

Für die Coverstory treffen wir Carlos Leal im Hotel „Kameha Grand Zürich“ und reden mit ihm über das Filmbusiness in Europa und Hollywood. Doch zuerst wollen wir von ihm wissen, wie der Wechsel vom Musik- in das Filmbusiness war. Angesprochen auf seine ersten Erfahrungen an einem Filmset, fängt er an zu schmunzeln. Er dachte damals alles über das Filmen zu wissen. In Tat und Wahrheit wusste er aber gar nichts. Die Rede ist von einem „Shortfilm“, in welchem er zum ersten Mal mitgespielt hatte. Sein erster Eindruck war sehr frustrierend für ihn. Obwohl er mit Sens Unik bereits diverse Musikvideos gedreht hatte, kommt jetzt noch die Kunst des Schauspielerns hinzu. Zum ersten Mal wurde von ihm verlangt, dass er eine Charakter-Rolle spiele. Zudem ist die technische Herausforderung beim Filmset noch grösser. Man muss ständig an das Licht, an die Position oder an den Bewegungsablauf denken. All diese Sachen waren damals neu für ihn. Als er aber dann das Endresultat gesehen hatte und sah, was man alles in der „Postproduktion“ rausholen konnte, war er sehr glücklich über seinen ersten Film.

Wie damals die meisten Westschweizer, blickte auch Carlos Leal nach Paris. Nach seiner Musikkarriere war deshalb schnell klar, dass dies der nächste Schritt sein wird. Doch Paris hat nicht auf ihn gewartet und so war der Anfang sehr schwer. Nachdem er in diversen Filmen mitgespielt hatte, zog es ihn weiter nach Spanien. Dort (der Heimat seiner Eltern) angekommen, merkt er schnell, was „Passion“ bedeutet. Der mediterrane Lebensstil und die Emotionen gehören einfach zur spanischen Kultur. Als er dann in einigen Nebenrollen in internationalen Grossproduktionen zu sehen war, wagt er den grössten Schritt in seiner Karriere: Hollywood. Mit 40 Jahren zieht Carlos Leal nach Los Angeles und ist mittlerweile einer der wenigen Schauspieler aus der Schweiz, die es in den Staaten geschafft haben.

Wir blicken mit Carlos Leal zurück und sprechen ihn auf den längsten „Take“ an einem Filmset an. Im Jahr 2016 dreht er eine „One-Shot“ Szene, welche über 8 Minuten lang dauert. Diese Szene hatte Carlos Leal an seine emotionalen Grenzen gebracht. Regie führte der iranische Regisseur Ali Ahmadezadeh. Der Inhalt dieser Szene war eine heftige Auseinandersetzung zwischen einem Mann und einer Frau. Während sie sich schlugen, war die Kamera ständig in der Nähe. Deshalb musste die Szene so authentisch wie möglich gespielt werden.

„Als sie mich schlagen musste, tat sie das nicht „the Hollywood way“, sondern sie hat mich wirklich geschlagen, und ja, da waren sehr viele Schläge in dieser Szene. Es wurde immer verrückter, bis zu diesem Zeitpunkt wo ich sie umgebracht habe. Diesen „Take“ mussten wir 5 Mal wiederholen. Es war sehr anspruchsvoll diese Rolle zu spielen. Nach dem Dreh waren wir voller blauen Flecken.“ 

Dies sollte aber nicht die einzig emotionale Rolle in seiner Filmkarriere bleiben. In einem Shortfilm namens „Grace“, welcher von seiner Frau Jo Kelly produziert wurde, spielt er „Jerome“ einen sowohl geistig als auch körperlich behinderten Mann. Um der Rolle gerecht zu werden, verbrachte Carlos Leal über 3 Wochen in einem Behindertenheim in Los Angeles. Was er anfänglich aber nicht wusste, war, dass die Heimbewohner ebenfalls Schauspielunterricht nahmen. Carlos Leal wollte zwar möglichst viel über diese Menschen lernen, doch er hatte anfänglich Mühe. Es kam bei ihm ein Gefühl auf, als würde er ihnen den Job wegnehmen. Also versucht er sich möglichst diskret zu verhalten und in diesen 3 Wochen nicht gross aufzufallen. Nachdem der Film fertig war, wurde dieser den Heimbewohner vorgespielt. Als Carlos Leal die Reaktionen der Heimbewohner sah, war er sehr erleichtert. Einige Personen sind nach der Aufführung aufgestanden und haben ihm gratuliert. Sie sagten ihm, dass er einen fantastischen Job gemacht hatte.

Obwohl Carlos Leal in LA lebt, ist er oft in Europa an verschiedenen Filmsets anzutreffen. Er findet, dass in Europa derzeit sehr gut gearbeitet wird. Die Qualität der Filmindustrie hat ein gutes Niveau erreicht. In Hollywood wird zwar viel Geld in die Filmindustrie gepumpt, die Investoren erwarten dementsprechend aber auch Gewinne. Es kommt oft vor, dass die Kunst des Films dadurch verloren geht. Wir wollen deshalb von ihm wissen, was Hollywood über Europa denkt. Sind wir bei den Amerikanern überhaupt auf dem Radar? Carlos Leal überlegt kurz und sagt:

„Die Hollywood Filmindustrie weiss, dass sie in diversen Bereichen wie Produktion, Marketing, Merchandising usw. der weltweite Marktführer sind. Wenn sie aber nach Europa blicken, fühlen sie eine gewisse „Non-Culture“, wenn es um Filmkunst geht. Wenn die Amerikaner z.B. französische Filme schauen, fragen sie sich, wie die das bloss machen.“

Carlos Leal hat mittlerweile in unzähligen Filmproduktionen mitgespielt. Was kann er den angehenden Schauspielern mit auf dem Weg geben? Er meint, dass sich die Filmbranche seit 20 Jahren sehr entwickelt hat, leider aber auch im negativen Sinne. Es gibt zwei Wege die man in einer Filmkarriere einschlagen kann. Carlos Leal unterscheidet da zwischen zwei Bereichen, nämlich „ART“ oder „FAME“. Schauspielerinnen und Schauspieler die nur den direkten Weg des Ruhms und Erfolgs einschlagen, interessieren sich oft wenig für den künstlerischen Weg. Sie neigen dazu zu vergessen, dass die Schauspielerei Kunst ist. Deshalb werden sie auch nicht lange im „FAME“ Bereich bleiben. Es ist demzufolge sehr wichtig, dass sich die Schauspielerinnen und Schauspieler permanent weiterbilden, um sich eben auch künstlerisch weiterzuentwickeln.

„Sei bereit zu arbeiten. Da draussen gibt es sehr viele talentierte Menschen, die mit Filmen aufwachsen. Sie kennen das Vokabular des Films bereits von klein auf.“