Nach zwei Jahren Bauzeit eröffnete im März 2022 das neue Drei-Häuser-Hotel «Caspar» in Muri, im aargauischen Freiamt (Schweiz), seine Türen. Mit seiner unmittelbaren Nähe zum berühmten Kloster Muri – dem Hauskloster der Habsburger – und der leichten Erreichbarkeit der renommierten lokalen Museen und Konzertlokalitäten ist es perfekt für Kunst- und Kulturinteressierte. Und inmitten intakter Natur und mit seiner Nähe zu Zürich, Zug, Luzern und Aarau spricht es natürlich auch Geschäftsreisende, MICE-Kunden und Erholungssuchende an.

Das Hotelensemble besteht aus den drei Häusern «Wolf», «Adler» und «Ochsen» und verfügt über 50 Zimmer, zwei Restaurants, Konferenzräume und einen multifunktionalen, sakral anmutenden Saal. Die Hälfte der Zimmer befindet sich im neu erbauten Haus «Wolf», die andere Hälfte verteilt sich auf die historischen Häuser «Adler» und «Ochsen», die ausserdem auch die beiden Restaurants beherbergen. Namensgeber für das neue Hotel ist der berühmte Murianer Caspar Wolf (1735 – 1783), der zu den wichtigsten Schweizer Malern der Vorromantik zählt und als Pionier der hochalpinen Landschaftsmalerei gilt.

Geschichte
Der Beginn der Gastronomie in Muri reicht über 600 Jahre zurück: Bereits im 15. Jahrhundert bewirteten Einheimische ihre Gäste – im 16. Jahrhundert wurde der «Adler» und im 18. Jahrhundert der «Ochsen» das erste Mal urkundlich erwähnt. Damals erhofften sich viele Schreiner, Bauer oder Bäcker in der Gastronomie erfolgreich zu werden. Mit Ausnahme von wenigen Traditionshäusern wie dem «Ochsen» und dem «Adler» haben trotzdem fast alle aktuellen Lokale in Muri ihre Wurzeln erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bis ins 19. Jahrhundert ist die Geschichte des Murianer Gastgewerbes ausserdem eng mit jener des Klosters verbunden. Denn wer die Freiämter Gemeinde besuchte, tat es vor allem aus religiösen Gründen, und wer hier wirtete, benötigte den Segen des Abtes. Das galt auch für die
beiden historischen «Caspar»-Häuser.

Der «Adler»
Das älteste der drei Häuser ist der «Adler». Bereits 1575 stand dort ein Wirtshaus, das 1691 abgerissen wurde, durch einen zweistöckigen Neubau ersetzt und seither immer wieder um- und ausgebaut wurde. Die Nähe zum Kloster brachte auch einige Schwierigkeiten mit sich. Denn die Mönche fühlten sich öfters durch das Treiben im Wirtshaus gestört. Zwar erlaubte man 1691 dem damaligen Wirt, die baufällige kleine Beiz abzureissen und einen neuen «Adler» zu bauen, allerdings nur zwei Stockwerke hoch und ohne Fenster in der Giebelfront Richtung Kloster. Noch über hundert Jahre später musste der «Adler»-Wirt 1816 vor Gericht erscheinen, weil das Kloster sich erfolgreich gegen den Einbau von Fenstern auf der Klosterseite wehrte. Es bestehe die Gefahr, dass «fremde Unschuld gefährdet werde», so die Argumentation.

Die bereits ausgebrochenen Fenster wurden wieder zugemauert. Das Problem löste sich schliesslich mit der Klosteraufhebung 1841 von selbst. Wertvoller als das Gebäude, das heute lediglich Volumenschutz geniesst, sind das Wirtshausschild aus dem 18. Jahrhundert und die bei der Kernsanierung 2019 – 2021 entdeckten barocken Wand- und Deckenmalereien aus dem späten 17. Jahrhundert, die erhalten werden konnten.

Der «Ochsen»
Der dreigeschossige Mauerbau mit seinem barocken Portal stammt nachweislich aus dem Jahr 1726. Lange Zeit wurde das Restaurant – trotz seines beeindruckenden Äusseren – mit wenig Erfolg betrieben. Immer wieder musste der «Ochsen» von hoch verschuldeten Wirtsleuten verkauft werden. Seine Erfolgsgeschichte beginnt erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Von da an ist der «Ochsen» in Muri eine Institution. Dazu trägt auch der legendäre «Ochsen-Saal» bei, der 1939 durch den Umbau der angrenzenden Scheune geschaffen und zum beliebten Veranstaltungslokal wurde. Von besonderem Wert ist heute das im Rokokostil gehaltene und seit 1969 unter Denkmalschutz stehende Wirtshausschild von 1760, das bei der Totalsanierung von 2019 – 2021 vom Murianer Kunstschlosser Werner Villiger minutiös restauriert wurde. Seit 2000 steht der «Ochsen» ferner unter Substanzschutz.

Das neue Haus «Wolf»
«Ochsen» und «Adler» sind heute Teil des Drei-Häuser-Hotels, zu dem auch das Haus «Wolf» gehört. Der Neubau steht an der Stelle, an der einst das Geburtshaus des berühmten Murianer Landschaftsmalers Caspar Wolf war und bildet über den Caspar-Wolf-Saal die Verbindung zum Haus «Ochsen». Das neue Haus «Wolf» dient ausschliesslich als Hotel mit 25 Zimmern und nimmt aussen die Proportionen des historischen «Ochsen» auf, aber in einer modernen Formensprache.

Die Lukarnen und die Fensterteilung beziehen sich auf den «Ochsen», die Faltung der Stirnfassade, die Neigung des Giebels und die herausstehenden Fensterläden verdeutlichen, was der Neubau klar ist und sein will: ein Gebäude von heute, das jedoch dem Alten die Reverenz erweist. Gestern und heute im Dialog.

Der Namensgeber
Caspar Goar Wolf (1735 – 1783) wurde als Viertes von sieben Kindern in Muri geboren und kam als 14-jähriger durch seine
Ausbildung das erste Mal mit der Kirchen- und Landschaftsmalerei in Berührung. Nach Reisen nach Deutschland kehrte er als 25-jähriger zurück in seine Heimat und malte insbesondere Altäre für Kapellen und Klöster. Daneben begann Wolf – beeinflusst vom damals berühmten französischen Landschaftsmaler Claude Joseph Vernet – idealisierte alpine Landschaften zu malen. Ein Novum für die damalige Zeit. Ab 1780 zog es ihn wieder nach Deutschland, in die Städte Aachen, Köln, Düsseldorf und auf Schloss Bensberg, wo er Panoramen, Dörfer, Kirchen, Parkanlagen und verschiedene
Städte malte.

Trotz seiner grossen Schaffenskraft starb der Maler 48-jährig vergessen und verarmt in einem Spital in Heidelberg. Wolf wurde nach seinem Tod so bedeutsam, weil er die Alpen aus ungewöhnlichen Perspektiven darstellte, nämlich so, wie er sie ganz persönlich wahrnahm. Ganz anders als die rein dokumentarischen Vedutenmalereien, die bis anhin berühmt gewesen waren. Er zeigte die Natur zum Beispiel aus Höhlen heraus oder durch Schluchten hindurch und gab dem Licht eine besondere Bedeutung. Oftmals steht Caspar Wolfs winzig dargestellte Figurenstaffage in deutlichem Gegensatz zur gewaltigen Ausdehnung der Berglandschaft.