Ende der 80er, bzw. Anfang der 90er Jahren war Kolumbien in den Händen des Drogenkartells von Medellín. Täglich explodieren Autobomben in den Grossstädten (Medellín, Cali oder in der Hauptstadt Bogotá). Die Anschläge richten sich gezielt an die Polizei, die Regierung oder an die Medien (v.a. Zeitungen). Tausende Polizeibeamte, Journalisten, Bezirks- und Oberrichter und normale Bürger haben bei diesen Anschlägen ihr Leben verloren. Journalisten und Hochbeamte werden entführt und später ebenfalls getötet. Im ganzen Land herrscht Chaos und die Regierung ist gegenüber den Kartellen machtlos. Das Medellín Kartell prägte damals das Leben der Menschen und deren Alltag. Den US-Behörden gefällt der rasante Aufstieg und die täglich wachsende Mitgliederzahl des Kartells ganz und gar nicht. Das Drogenkartell von Medellín, welches damals auch „Los Extraditables“ genannt wird, ist eine gefährliche und skrupellose Organisation. Der Anführer dieser Organisation ist Pablo Emilio Escobar Gaviria. Die grösste Angst des Medellín Kartells ist die Auslieferung an die USA.

Politisch gewinnt die “Neue Linke Partei” zu dieser Zeit immer mehr an Macht. Ihr Hauptanliegen ist es Kolumbien von den Drogenkartellen zu befreien und die Barone an die USA auszuliefern. Der Präsident des Landes kann die Auslieferung mit der Zustimmung des Bundesgerichtes veranlassen. Die Kartelle führen deshalb den Krieg unter dem Motto: „Lieber ein Grab in Kolumbien als ein Gefängnis in USA“. Bei den Wahlen 1989 kommt der Top-Kandidat der Präsidentschaftswahlen, Luis Carlos Galan, bei einem Attentat ums Leben. Galan hat gegen die Drogenkartelle und insbesondere für die Auslieferung der Verbrecher gekämpft. Nach seinem Tod stellt die “Neue Liberale Partei” einen neuen Kandidaten zur Wahl des Präsidenten auf. Cesar Gaviria übernimmt die Führung und wird wie sein Vorgänger zum Top-Kandidaten. Im Jahr 1989 wird Gaviria fast Opfer eines Attentats. Das Kartell von Medellín hat in einem Flugzeug der Avianca Fluggesellschaft eine Bombe platziert. Nach Information des Kartells sollte sich Cesar Gaviria an Bord dieses Fluges befinden. Die Bombe detonierte, jedoch befand sich Cesar Gaviria nicht unter den vielen Todesopfern. Was das Kartell damals aber nicht wusste: Unter den Todesopfern befanden sich einige US-Bürger (total befanden sich über 100 Passagiere im Flugzeug). Dies war der Zeitpunkt für die USA einzugreifen und den Präsidenten Gaviria zu unterstützen.

Ausnahmezustand herrscht in Kolumbien. Der Präsident, Cesar Gaviria organisiert eine Elitetruppe, welche nur eine Aufgabe hat: Den Kampf gegen das Medellín Drogenkartell. Die Sondereinheit hat den Namen “Bloque de Busqueda”, was so viel heisst wie Blockfahndung. Auf den Strassen von Medellín herrscht Krieg. US-amerikanische Radarflugzeuge fliegen über Medellín und unterstützen die Bodentruppen. Die USA will die Attentäter zur Rechenschaft ziehen, welche das Attentat auf unschuldige amerikanische Bürger ausgeübt haben. Das mächtige und schwerreiche Kartell von Medellín ist aber sehr gut organisiert und investiert viel in diesen Krieg. Zum Höhepunkt dieser Eskalation kommt es aber, als Pablo Escobar sich an die Medien mit folgender Aussage wendet: “Diejenige Person, welche mir einen toten Polizisten bringt, erhält 1 Million kolumbianische Pesos”. Ab diesem Moment gehen sogar normale Bürger auf die Polizisten los und verlangen von den Kartellkillern die Auszahlung ihres Honorars. Einer dieser Killer ist John Jairo Velásquez Vásquez, alias “Popeye”. Er ist einer der brutalsten Killern des Kartells (für 300 Morde und 3000 Mordaufträge wird der Kolumbianer später mehr als zwei Jahrzehnte hinter Gitter sitzen).

Das grausame Szenario in Kolumbien, v.a. in Medellín neigt sich dem Ende. Da Pablo Escobar spürt, dass die Zusammenarbeit (v.a. bezgl. Auslieferung) mit der USA immer stärker wird, trifft er mit der Regierung ein Abkommen: Er geht “freiwillig” ins Gefängnis, im Gegenzug muss ihm die Regierung versprechen, ihn und das Kartell  nicht an die USA auszuliefern. Was die Öffentlichkeit aber nicht weiss: Das Gefängnis, genannt auch „Die Kathedrale“ wird von Pablo Escobar errichtet und verwaltet. Er ist der Herr der Kathedrale, welche sich an seinem Heimatort befindet (Gemeinde von Envigado). Für die Sicherheit sind mehrere Institutionen zuständig. Den ersten Ring schützt die Armee. Der zweite Ring wird von einer Elitetruppe der Polizei bewacht. Für den dritten Ring ist die INPEC zuständig. INPEC ist in Kolumbien für die Sicherheit der Gefängnisse zuständig. Im vierten Ring sorgen die eigenen Kartellkiller für die Sicherheit des Barons.

Ich arbeite zu dieser Zeit bei der Staatsanwaltschaft von Medellín. Unsere Abteilung ist für Disziplinarverfahren gegen Beamte jeglicher Art (Regierung, Polizei, Armee, etc.) zuständig.  Eine Arbeitskollegin und ich haben den Auftrag erhalten in das Gefängnis von Pablo Escobar zu gehen und die Bücher betreffend Besucherregister zu kopieren und zu überprüfen. Wir müssen prüfen, ob „La Quica“, Pablo Escobar im Gefängnis besucht hat. “La Quica” wird 1991 in den Staaten festgenommen und ist zu diesem Zeitpunkt Hauptverdächtiger in einem Prozess. Die US-Behörden beschuldigen ihn, das Attentat von 1989 (Fluggesellschaft Avianca), begangen zu haben . . .