Danach führt Pablo Escobar weiter aus: „Dieser Friedensprozess hat, wie gesagt, viele Feinde. So z.B. Enrique Parejo“. Enrique Parejo war der Justizminister und wurde später zum Botschafter in Ungarn ernannt, weil seine Sicherheit in Kolumbien nicht mehr gewährleistet werden konnte. Doch auch in Ungarn konnte Enrique Parejo sich nicht vor Pablo Escobar verstecken. 

Das Medellín-Kartell schickt 2 Killer nach Ungarn um den Botschafter, Enrique Parejo, zu töten. Das Attentat auf ihn wurde am 13. Januar 1987 in Budapest ausgeübt. Obwohl die Sicarios dem Botschafter mehrmals ins Gesicht geschossen haben, überlebt er das Attentat. Nach einer intensiven Zusammenarbeit zwischen den ungarischen Behörden, diversen europäischen Ländern und den USA werden 3 Monate später 2 Personen (Mitglieder der ehemaligen „roten Brigaden“) in Italien festgenommen.  

Gegenüber Pablo Escobar war Enrique Parejo ein Staatsfeind. „Wissen Sie, Parejo sagt immer, dass ich ihn töten will. Das stimmt nicht. Ich bete für ihn, damit ihm nichts passieren wird oder besser gesagt, meine Mutter betet für ihn. Wenn ihn jemand ermorden würde, würden die Menschen sicherlich mich beschuldigen“. 

Nach dieser Aussage macht Pablo Escobar eine kleine Pause und fügt hinzu: „Parejo hat keine Macht mehr, er hat nur eine lose Zunge, aber Maza Márquez ist gefährlich, weil er eine grosse Macht hat“. Maza Márquez ist der Direktor des Geheimdienstes DAS. 

Am 6. Dezember 1989 wird auch gegen ihn ein Attentat verübt. Vor dem Gebäude der DAS, in der Hauptstadt Bogotá, detoniert eine „Lastwagenbombe“. Bei diesem Attentat sterben viele unschuldige Zivilisten. Das Gebäude des Geheimdienstes wurde fast komplett zerstört. Maza Márquez überlebt das Attentat, weil er sich zu dieser Zeit in seinem Büro im obersten Stockwerk befand. Dieses Büro war kein gewöhnliches Büro, vielmehr ein Bunker. 

Pablo Escobar unterbricht kurz und erzählt dann weiter: „Der Präsident muss Maza Márquez kontrollieren. Wenn nicht, dann wird der Krieg wieder beginnen. Ich bin sehr friedlich und wollte eine grosse Industrie in Kolumbien aufbauen. Es gibt viele Geschichten über mich und mein Vermögen, welche nicht stimmen. Ich war z.B. seit langem in der Fischindustrie in Peru tätigt, bis ich vom Staat und den USA angegriffen wurde. Deshalb war ich gezwungen, mich gegen sie zur Wehr zu setzen“. 

Als wir diese Geschichte betreffend die angebliche Fischindustrie gehört haben (und Pablo Escobar sich als Opfer des Staats bezeichnet hat), haben wir natürlich gemerkt, dass alles gelogen ist. Pablo Escobar ignoriert, bzw. rechtfertigt so seinen Drogenhandel, seine angeordneten Massaker und die Terroranschläge. Während Pablo Escobar gesprochen hat, waren natürlich alle (der Direktor, die Wachen und wir) still. Es fühlte sich wie eine Mischung aus Respekt und Angst an. Wir haben uns auch nicht getraut ihn zu unterbrechen und Fragen zu stellen. 

In der Zwischenzeit wurden die Besuchsbücher des Gefängnisses kopiert. Danach hat uns Pablo Escobar gefragt, ob wir mit ihm frühstücken möchten? Wir haben dankend abgelehnt. Daraufhin sagt er: „Machen Sie sich keine Sorgen. Sehen Sie die Militärs unten, auch sie nehmen das Frühstück gerade zu sich. Aber Kaffee, Kaffee trinken Sie sicher…“. Kurze Zeit später, haben wir alle einen Kaffee getrunken.

Im Verlaufe der nächsten Stunden kamen immer mehr Personen in das Gefängnis. Uns wurde mitgeteilt, dass heute Besuchstag sei. Einige Frauen und Männer sind zur Direktion vorbeigekommen und haben Pablo Escobar begrüsst: „Guten Morgen, Doktor“. Pablo Escobar begrüsst die Gäste mit einem Handschlag.  Die Besucher begaben sich dann unverzüglich zu den anderen Sicarios…