INHALT: N.d.Red.bekannt

„Ja, für die Staatsanwaltschaft von Medellin“, antworteten wir. Roberto Escobar, alias “Osito“ wird zu einem späteren Zeitpunkt (nämlich am 18. August 1993) bei einem Anschlag im Sicherheitsgefängnis des Bezirks Itagui verletzt und verliert ein Auge. Der Anschlag auf ihn wurde mit einem Bombenbrief ausgeübt, angeblich vom Kartell von Cali. Neben uns waren ebenfalls andere Sicarios wie Otoniel Gonzalez alias “Otto“, Valentin de J. Taborada, Gustavo Gonzalez Franco alias “Tavo“, Jorge Eduardo Avendaño alias “Tato“, Jhony Rivera alias “Palomo“, José Fernando Ospina alias “El mago“, Jhon Jairo Betancur alias “Icopor“, Carlos Diaz alias “La garra“ und Alfonso León Puerta alias “El angelito“. Niemand von ihnen hat etwas gesagt. „Wissen Sie“ sagt Osito „ich habe ein Sohn im Ausland und er möchte uns hier besuchen aber die Armee hat es mehrmals verhindert“. Wir haben darauf Osito angeboten, unseren Vorgesetzten zu fragen, weshalb dies der Fall sei. Doch er antwortete: „Wir wollen nichts gegen den Armee unternehmen, lassen wir diese Angelegenheit so. Wir wollen keine Schwierigkeiten mit den Generalen der Armee“. „Popeye“ zeigt uns dann ein grosses Teleskop, welches direkt in Richtung Zentrum der Stadt zeigte. Mit diesem Fernrohr haben sie die Umgebung überwacht, weil sie der Polizei und der Arme nicht vertraut haben und ständig bereit waren, zu kämpfen oder zu entkommen. 

Wir gelangen zum ersten Bereich des Gefängnisses. In diesem Bereich lag das Zimmer von Pablo Escobar. Das Gefängnis hatte eigentlich ein normales Dach. Doch unter diesem Dach befand sich eine 40cm dicke Betonschicht. Der Direktor des Gefängnisses sagte uns: „schauen Sie, das Zimmer von Don Pablo ist eigentlich ein Bunker. Die Fenster sind auch aus Panzerglas“. Pablo Escobar stand daneben und sagte nichts. Er war immer hinter uns und hat uns permanent angeschaut. Der Rest der Sicarios folgte Pablo Escobar. Er hatte keine bedrohliche Körpersprache. Im Gegenteil, Pablo Escobar war absolut ruhig und hatte stets die totale Kontrolle der Gruppe und der Situation.

Dann liefen wir weiter und zwar zum hinteren Bereich des Gefängnisses. Dort haben wir ein Fussballfeld aus Sand gesehen. Es wurde damals spekuliert, dass dieser Sand aus Fischmehl war. Das ganze Fussballfeld wurde oben mit 2 grossen, dicken Elektrokabel abgeschirmt. Der Direktor bemerkt, dass wir diese beobachtet haben und sagt: „Diese Elektrokabel da oben, verhindern, dass ein Helikopter landen kann. Die Amerikaner wollen Don Pablo um jeden Preis aus dem Gefängnis entführen. Wir haben vertrauliche Informationen erhalten, dass die CIA eine Entführung geplant hat. Wenn sie kommen sollten, werden wir bis zum Tod kämpfen! Aber die Amerikaner werden ebenfalls sterben, denn sie wissen nicht, dass wir militärisch gut vorbereiten sind“.

Gleich neben dem Fussballfeld war das Gitter des Gefängnisses und gleich dahinter viele Bäume. Auf einem kleinen Hügel dahinter war der Posten der Armee (Flugzeugabwehr). Als wir herumliefen, begrüssten die Soldaten Pablo mit „Dr. Pablo“ und er antwortete mit „muchachos“. Dann dreht er sich zu uns und sagt, dass sie hier Fussball spielen und dann am Abend, wenn sie müde sind, ins Bett gehen und gut schlafen. Das war das Ende unserer Runde im Gefängnis.