Ich arbeite zu dieser Zeit bei der Staatsanwaltschaft von Medellín. Unsere Abteilung ist für Disziplinarverfahren gegen Beamte jeglicher Art (Regierung, Polizei, Armee, etc.) zuständig.  Eine Arbeitskollegin und ich haben den Auftrag erhalten in das “Gefängnis” von Pablo Escobar zu gehen und die Bücher betreffend Besucherregister zu kopieren und zu überprüfen. Wir müssen prüfen, ob ein gewisser “La Quica”, Pablo Escobar im Gefängnis besucht hat. “La Quica” wird 1991 in den Staaten festgenommen und ist zu diesem Zeitpunkt Hauptverdächtiger in einem Prozess. Die US-Behörden beschuldigen ihn, das Attentat von 1989 (Fluggesellschaft Avianca), begangen zu haben.

Unsere Aktion “Suche im Besucherregister nach La Quica” sollte total geheim bleiben. Der oberste Ermittler von Medellín hat uns mitgeteilt, dass wir mit niemandem vom Büro über diese Angelegenheit sprechen sollten. An einem Freitag besuchen wir die IV-Brigade der kolumbianischen Armee in Medellín. Wir benötigen vom obersten General eine Bewilligung um das Gefängnis von Pablo Escobar zu besuchen. Die IV-Brigade war für die externe Sicherheit des Gefängnisses “La Catedral” verantwortlich.

Der General der IV-Brigade hat uns gesagt, dass ein Besuch dort “lebensgefährlich“ sei. Niemand wusste wie Pablo Escobar auf unseren Besuch reagieren würde. Wird Pablo Escobar seinen Killer befehlen uns zu töten? Werden wir als Geiseln genommen? Oder können wir unsere Arbeit in Ruhe erledigen und dann wieder gehen? Niemand wusste es, denn Pablo Escobar ist unberechenbar. Wir verschweigen gegenüber dem General aber, was unsere Hauptaufgabe ist. Der General gibt uns die Bewilligung und sagte: “Ich kann nicht für Eure Sicherheit innerhalb des Gefängnisses garantieren. Wir sind nur für die externe Sicherheit zuständig…”. Wir wussten genau, dass weder die Armee, noch die Polizei uns von Pablo Escobar schützen konnte. Der General sprach mit einem Captain der Armee und erteilte ihm den Befehl uns morgen um 7.00 Uhr abzuholen und zum Gefängnis zu fahren.

Am nächsten Tag werden meine Arbeitskollegin und ich um 7.00 Uhr im Büro abgeholt. Unser Chef sagte uns, dass er im Büro auf uns warten wird. Über unsere Tätigkeit wird ebenfalls der Generalprokurist des Landes informiert. Sie machen sich Sorgen um unsere Sicherheit.

Ich muss noch hinzufügen, dass es zu dieser Zeit keine Mobiltelefone gab. Als Kommunikationsmittel standen nur das Funkradio des Militärs oder das Gefängnistelefon zur Verfügung. Wir machen uns auf den Weg nach Envigado. Dort steht das Gefängnis von Pablo Escobar “La Catedral”. Das Gefängnis ist sehr abgelegen und wird von Bergen und von einem riesigen Wald umgeben.

Unser Auto wird von einem Elitesoldaten gefahren. Er und der Captain besitzen beide eine 9mm Pistole. Der Captain war zudem noch mit einem israelischen Gewehr (Galil) bewaffnet. Meine Kollegin und ich durften lediglich eine Identitätskarte und die Bewilligung des Militärs mitnehmen…