Viele Frauen die Pablo Escobar im „Gefängnis“ besuchen sind Models (diese Schönheiten stehen zudem permanent dem Medellin Kartell zur Verfügung). Wir haben dann mit dem Direktor des Gefängnisses gesprochen und ihm mitgeteilt, dass wir unseren Vorgesetzten anrufen müssen, da dieser nämlich auf unseren Anruf wartet. Der Direktor schaut Pablo Escobar an und wartet auf seine Genehmigung. Pablo Escobar nickte, was einer Autorisierung gleichkommt. 

Meine Arbeitskollegin und ich verlassen in Begleitung des Direktors die Direktion und begeben uns zum Fitnessraum. Der Fitnessraum war mit den neuesten Fitnessgeräten ausgerüstet, welche wir nie zuvor gesehen haben. Der Direktor übergibt uns ein Satellitentelefon. Es war das erste Mal, dass wir ein Satellitentelefon gesehen und in den Händen gehalten haben. Dies war das persönliche Telefon von Pablo Escobar. Zu dieser Zeit verfügte nicht einmal die Regierung, die Polizei oder die Armee über ein Satellitentelefon. 

Wir haben schliesslich unseren Vorgesetzten erreicht und mit ihm gesprochen. Wir erzählten ihm, wie die Lage im „Gefängnis“ ist und, dass wir immer wieder in die Direktion gehen müssen, da sich dort der Fotokopierer befindet. Zudem ist Pablo Escobar auch immer anwesend und beobachtet uns passiv. Unser Chef war für kurze Zeit sprachlos. Nachdem er sich gefangen hat, sagt er uns, dass wir mit der Arbeit weiter machen sollen, diese schnellstmöglich erledigen und die „La Catedral“ danach sofort verlassen müssen. Als das Gespräch beendet war, begeben wir uns wieder zur Direktion. Pablo Escobar befand sich zu dieser Zeit immer noch in der Direktion. Als wir mit dem Fotokopieren fertig waren, sagte er zu uns: „Machen wir doch zusammen eine Runde und lassen wir uns davon überzeugen, dass hier alles in Ordnung ist und dass hier kein Luxus existiert. Was die Medien geschrieben haben, stimmt nicht“. 

Der Direktor, Pablo Escobar und vier seiner persönlichen Bewacher (INPEC), begleiten uns beim Rundgang. Ich bemerke sofort Roberto Escobar Gaviria, den Bruder von Pablo Escobar. Neben Roberto Escobar stand Jhon Jairo Velásquez auch bekannt als „Popeye“. Popeye war der Anführer der Sicarios des Kartells von Medellín. Er personifiziert den Terror, welcher in den 80er/90er Jahren in Kolumbien herrschte. Popeye wird später bei diversen Interviews bestätigen, dass er selber mehr als 300 Morde begangen hat. Zudem hat er über 3‘000 weitere Morde in Auftrag gegeben und mehr als 250 Auto-, bzw. Lastwagenbomben-Attentate in ganz Kolumbien ausgeübt. Selbst die anderen Kartelle von Cali oder Bogotá haben Angst vor Popeye. Später sehen wir auch Carlos Aguilar, alias „el Mugre“ (der Schmutz). Genau wie „Popeye“ war auch „el Mugre“ ein vertraulicher Sicario von Pablo Escobar. Roberto Escobar und die Sicarios begrüssen uns und stellen uns die Frage: „Arbeiten Sie bei der Staatsanwaltschaft?“.