Cancellara ist weltbekannt, aber wer ist Fabian?
Ich war ein Spitzensportler davon über 16 Jahre Radrennfahrer. Ich bin sehr jung reingekommen, habe mit 35 Jahren aufgehört und habe das eine und andere Rennen gewonnen. Zudem habe ich das grosse Glück gehabt, meine Leidenschaft zum Hobby und dann zu meinem Beruf zu machen. Diese Leidenschaft ist auch heute noch mein Beruf – und ich geniesse sie immer noch sehr.

Man spürt auch jetzt noch das Feuer bei dir, wenn es um Radsport geht.
Das ist richtig! Dieser Sport hat mir sehr viel gegeben. Der Radsport war für mich eine Lebensschule. Ich konnte sehr viel lernen, viele Erfahrungen sammeln und besondere Momente erleben. Manche von ihnen waren schön und andere schwierig. Man lernt zu gewinnen aber auch mit Niederlagen umzugehen. Man setzt sich ein Ziel und wird sich bewusst, dass es viel Vorbereitung, Arbeit und Willenskraft braucht, um dieses zu erreichen. Für all dies und mehr bin ich dem Radsport sehr dankbar!

Wieso hast du dich damals für den Radsport entschieden, und war es Fabian der zum Velo fand oder umgekehrt?
Ganz klar ich! Als ich das erste Mal als Kind meinen Vater gefragt habe, ob ich sein Velo aus dem Keller rausnehmen durfte und in die Natur rausgefahren bin, habe ich die Liebe zu diesem Sport sehr schnell gefunden. Ich habe zwar noch zusätzlich Fussball gespielt, aber das Velo hat mir andere Perspektiven gegeben und vor allem grosse Freiheit. Als Fussballer geht man zwar von Platz zu Platz, beim Velofahren hast du aber die Möglichkeit überall hinzugehen, in der Natur zu sein und wundervolle Orte zu sehen. Irgendwann wurde ich Mitglied in einem Veloclub. Dann wurden die Rennen immer grösser und mit der Zeit wuchs die Ambition, mehr erreichen zu wollen. Auch die Freude nahm immer mehr zu und so war es ziemlich schnell entschieden, dass ich dies wirklich machen möchte.

Du bist zwar nicht mehr Spitzensportler aber durch deine diversen Projekte noch sehr stark involviert. Wie wichtig ist es für dich, eine Inspiration für die kommende Generation zu sein?
Wie erwähnt hat mir der Sport sehr viel gegeben, weshalb ich auch etwas zurückgeben möchte. Die Frage ist nur: wie gibt man etwas zurück? Möchte man dies nur finanziell tun, oder ist man auch bereit seine Zeit in den Menschen zu investieren, Werte zu vermitteln und v.a. da zu sein für die Jugend. Ich habe das grosse Glück tolle Sponsoren und Partner zu haben, welche mir helfen diverse Projekte voranzutreiben.

Bleiben wir schnell bei den Werten. Wie hast du es geschafft, immer auf den Boden zu bleiben?
Es gibt immer Momente, wo du schnell ein Hoch hast. Man soll diese Momente auch geniessen. Jedoch muss man sich bewusst sein, dass das Leben weitergeht und du am nächsten Tag wieder auf dem Rad steigen musst, um weiterhin erfolgreich zu sein. Es ist wichtig, dass man weiss, dass die Karriere als Spitzensportler ein Ablaufdatum hat. Irgendwann steht man nicht mehr im Rampenlicht. Wichtig ist dann, dass man weiss, dass man alleine nicht weiterkommt und ein gutes Team braucht, welches dich unterstützt und dir hilft, deine Ziele zu erreichen. Auch hier hatte ich grosses Glück und war immer von tollen Menschen umgeben (sei es privat oder in den jeweiligen Teams). Diese Menschen haben mir geholfen zu wachsen und auf dem Boden zu bleiben.

Wann weiss man, dass der Moment da ist um aufzuhören?
Es ist nicht einfach, da man sich in dieser Blase befindet, wo alle Menschen toll sind, wo alles toll funktioniert. Wenn man die Karriere als Spitzensportler beendet, beendet man etwas Grosses und Einzigartiges. Die Frage ist auch, warum man es beendet. Ist es wegen einer Verletzung, einem Skandal, bist du nicht mehr gut genug oder bist du zwar noch gut aber erkennst, dass es jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist um das Rampenlicht zu verlassen. Ich hatte eine wundervolle Zeit und gute Menschen um mich, was natürlich sehr attraktiv gewesen wäre, um mit dem Radsport weiterzumachen. Ich habe aber entschieden diese Blase an den Olympischen Spielen zu verlassen. Ich gebe zu, dass der Abgang fast kitschig perfekt war (Goldmedaille im Olympischen Einzelzeitfahrten). Vielleicht war es so geschrieben (es hätte aber auch anders ausgehen können). Wichtig ist, dass man ohne Wut und Hass die Karriere beendet, dafür aber mit einem weinenden und lachenden Auge. Denn all die schlechten Gefühle und Emotionen können dich irgendwann einholen.

Wie bist du mit diesem Moment umgegangen?
Ich bin nicht rumgestanden und habe nichts mehr unternommen. Ich habe mich bewegt, Dinge ausprobiert und Projekte ins Leben gerufen. Nach 6 Jahren stehe ich hier und führe ein Geschäft mit welchem ich mit Consulting, Partnerschaften und Events den Menschen etwas weitergeben kann. Kürzlich ist auch unser Velo-Team dazugekommen.

Zum Schluss 3 Fragen, welche ich sehr gerne stelle. Was würdest du dem Fabian aus der Vergangenheit sagen?
Habe Freude und Spass mit dem was du machst, denn nur das zählt. Lasse dich aber auch nicht aus der Ruhe bringen und sei geduldig.

Was würdest du dem heutigen Fabian sagen?
Schalte ab und zu einen Gang zurück und nimm die Sachen weniger persönlich. Sei geduldig und arbeite weiter an all den tollen Projekten, welche du hast. Und v.a. verstelle dich nicht!

Und was am Fabian in der Zukunft?
Nimm einen Schritt nach dem anderen, mach weiter so und bleib dir treu.

Content: Lorena Lareo
Photos: Anja Wurm