CONTENT BY: Virginia Costa, Dj Tap Tap

Der Sommer steht vor der Türe und wir können endlich etwas aufatmen. Mit „wir“ meine ich uns alle, nicht spezifisch die Gattung der Künstler. Obwohl nun Lockerungen in Sicht sind und in vielen Sparten rund um Kultur und Nachtleben wieder Pläne geschmiedet werden, stehen Kunstschaffenden nach wie vor harte Zeiten bevor. Ich habe mich etwas in meinem Bekanntenkreis umgehört und von vielen Schweizer Berufskollegen ähnliche Geschichten erfahren. Ein Grossteil musste irgendwann während der Pandemie umsatteln, damit sie ihre Rechnungen weiterhin bezahlen konnten. Einige empfanden es als spannend, viele als Zeitverlust und die meisten waren enttäuscht darüber.

Entgegen der oftmals vertretenen öffentlichen Meinung sind Künstler sehr wohl hart arbeitende Zeitgenossen. Vor der Pandemie bestanden meine Arbeitstage aus mindestens 12 Stunden, keine freien Wochenenden und nur alle Jubeljahre einige Ferientage. Nur schon der Druck, dass es am Monatsende keinen fixen Lohn auf dem Konto gibt, ist für viele Menschen unvorstellbar. Bloss, weil die Arbeit von Künstlern gegen Aussen hin glamourös und aufregend aussieht, heisst es nicht, dass dahinter nicht extrem harte Arbeit steckt. Das tut es nämlich.

Verständlich also, dass viele Arbeitskollegen verletzt und enttäuscht sind, wenn es von Aussen heisst: „Ja, dann müsst ihr halt mal früh aufstehen für eine Weile und auf das Cüpli trinken verzichten.“ Natürlich gibt es immer auch ein paar VIPs, welche das Gesamtbild gerne verzerren und nur entspannte Strandbilder unter die Leute bringen wollen. Das ist aber eine absolute Minderheit, denn der grösste Teil schlägt sich gerade in einer völlig neuen Branche durch und verbringt die knappe Freizeit damit, kreative Projekte für nach der Pandemie zu entwickeln. Für diese disziplinierten Einsätze sollten wir alle dankbar sein und Empathie bekunden, denn wenn das Leben wieder in normalen Bahnen verläuft, würde ohne Kunst etwas enorm wichtiges fehlen. Und irgendwer kann diese Lücken dann auch nicht füllen, das müssen schon besonders talentierte Menschen sein.

Ps. Auch ich habe während dieser Zeit mein Leben zwangsläufig umgestellt und die unfreiwillig gewonnene freie Zeit damit verbracht, die Matura nachzuholen. Ich plane jetzt, ein Studium in Tierpsychologie zu absolvieren. Mein Glück im Unglück war, dass ich wegen meiner Schwangerschaft sowieso sehr oft müde war und mich deswegen mit gutem Gewissen ausruhen konnte. Bestimmt haben mein Mann und ich mehr Zeit, als in einem normalen Jahr möglich gewesen wäre, auf die Vorbereitung des Babys verwendet. Das hat Spass gemacht.

Das letzte Jahr war für viele von uns eine Achterbahnfahrt der Gefühle und ganz bestimmt sind die harten Zeiten noch nicht ausgestanden. Aber es werden konsequenterweise auch wieder bessere Zeiten kommen und wir befinden uns schon auf dem Weg dorthin!