TEXT: Daphne Chaimovitz

Anlässlich ihres neuen Films «American Pastoral» besuchte Jennifer Connelly (46) das 12. Zurich Film Festival. Für ihre Rolle bei «A Beautiful Mind» gewann sie den Oscar und Golden Globe als beste Nebendarstellerin. Wir werden sehen, ob und wie viele Nominierungen dieser Film bekommt.

Jennifer Connelly betrat lächelnd den Interviewraum und wollte sich gerade neben mich setzen, als ein anderer Journalist vom Round-Table-Interview sie darauf hinwies, dass der Platz am Kopfende des Tisches für sie reserviert war. Sie entschuldigte sich mit einem Zwinkern und nahm Platz. Geduldig beantwortete sie Fragen über die Mutterrolle im Film, die Zusammenarbeit mit Ewan McGregor und ob sie auch mal gerne Regie führen möchte.

Bei der Pressekonferenz hast du gesagt, dass du bewegt warst von dieser Rolle. Was genau hat dich berührt?

Zuerst wird das Bild des Stereotyps «Schönheitskönigin» vermittelt und meine Rolle kämpft mit dem. Die Leute denken, dass sie sehr oberflächlich ist und sie versucht zu zeigen, dass sie mehr ist. Durch ihre Tochter wird sie in deren Kindheit sehr authentisch, doch als die Beziehung zerbricht, zerstört das auch sie in gewisser Weise. Ihre Ehe geht kaputt und sie wird zu etwas, dass sie nie werden wollte. Dies hat mich tief bewegt.

Du bist selbst Mutter. Ist das nicht ein Albtraum, wenn ein gut erzogenes Kind plötzlich zum Terroristen wird?

Ich denke, das schlimmste was Eltern passieren kann, ist der Verlust ihres Kindes. Ich kann mir das kaum vorstellen, unter diesen Umständen sein Kind zu verlieren.

Hat dich das Muttersein beeinflusst diese Rolle anzunehmen oder gar abzulehnen?

Nein, ich bin schon einige Zeit Mutter und in einem gewissen Alter bekommt man zwangsläufig auch Mutterrollen angeboten. Genau das gefällt mir so sehr an der Schauspielerei, dass man verschiedene Charaktere sein kann, die sehr anders sind als man selbst.

Was liebst du sonst noch an deinem Beruf?

Die Zusammenarbeit mit kreativen Menschen, das eigene Mitwirken bei der Entstehung einer Geschichte und die Auseinandersetzung mit einem Charakter, das sind besonders tolle Momente.

Der Film spielt in den USA in den 60-er Jahren, zugleich erinnert es sehr an die heutige Zeit. Findest du das auch?

Ja, in gewisser Weise schon. Der Film zeigt gut, dass es eine spezifische Zeit ist in der amerikanischen Geschichte. Doch wenn wir heute die Nachrichten anschauen, geht es leider auch oftmals um Terrorismus.

Wie war Ewan McGregor als Regisseur?

Super! Er war sehr unterstützend und kooperativ. Es war sehr angenehm mit ihm zu arbeiten. Manchmal probten wir nur zu zweit, das hatte ich vorher sehr selten. Zu Beginn war das ein bisschen komisch, weil hier der Hauptdarsteller und der Regisseur ein und dieselbe Person waren. So hatten wir aber keine Ablenkung von aussen und konnten die Szenen so lange modifizieren, bis sie perfekt waren.

Ewan führte zum ersten Mal Regie. Ist das auch ein Ziel von dir?

Ja sicher, weil ich gerne Geschichten und Filme habe. Als Schauspieler bist du sehr limitiert beim Ausprobieren und Darstellen, vor allem bei einem Film. Die Entscheidungen werden vom Regisseur und Produzent getroffen und nicht vom Schauspieler. Deswegen wäre es mal interessant, die Dinge selbst in der Hand zu haben. Aber ich habe keine Pläne momentan mit meinem Regiedebüt zu starten. Ich denke, ich würde auch etwas Anderes machen.

Was denn?

Vielleicht wieder mit dem Malen beginnen. Ich war sehr gut im Portraitieren (lacht).