Du hast am 15.04.2020 deinen 70. Geburtstag gefeiert. Wir gratulieren dir von Herzen dazu. Hast du „bescheiden“ gefeiert oder richtig „fernsehpionierhaft“?
Der 15. April steht für mich in einer familiären Zeitschiene. Am 14. April 1987 haben meine Frau Bine und ich im Stadthaus in Zürich geheiratet. Am 19. April 1990 kam Laura, unsere Enkelin, in Zürich auf die Welt. In der momentanen Situation ist Bescheidenheit die richtige Formulierung.

70 Jahre, eine magische Zahl. Wie fühlst du dich dabei?
Sieben war schon immer meine Glückszahl. Dementsprechend fühle ich mich sehr gut.

Die Unterhaltungsbranche hält ja bekanntlich jung. Ist dies bei dir auch so?
Jung halten mich vor allem die jungen Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten darf. Da wird einem klar, dass nichts auf der Welt selbstverständlich ist. Ich arbeite allerdings auch sehr gerne und das hält anscheinend jung und fit.

Bleiben wir gleich bei der „Bescheidenheit“. Wenn wir deine Biographie lesen, ist dies eine beachtliche Leistung. Im Gegenzug zu anderen Medienmännern bist du immer auf dem Boden geblieben. Wie stark stehst du zu deinem Erfolg?
Erfolg ist eine Sache der Perspektive. Mir geht es eigentlich weniger um den Erfolg, als darum die Ziele zu erreichen, die für mich wichtig und wertvoll sind. Ausserdem stehen für mich der persönliche und berufliche Erfolg immer auf Augenhöhe. Ich bin nur wirklich erfolgreich, wenn ich das auch im privaten Bereich bin. Somit geht beides Hand in Hand – und meine Familie hat mich immer auf dem Boden gehalten.

Vor 25 Jahren bist du mit Star TV als erster privater nationaler Fernsehsender auf Sendung gegangen. Gratulation! Einige grosse TV-Sender sind in dieser Zeit gekommen und gegangen, Star TV ist immer noch hier. Wie machst du das?
Ja, das habe ich mich auch schon gefragt. Und weisst du was: ich habe keine Antwort gefunden. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Meister in der Selbsthypnose bin und jeden Tag als eine neue Chance ansehe.

Du hast in der Vergangenheit vieles bewegt. Was blieb dir dabei besonders in Erinnerung?
Der 31. August 1995, 18:00 Uhr. Das war der Moment, als Star TV, als erster nationaler Privatfernsehsender auf Sendung ging. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tanzten auf den Tischen der Cafeteria und schrien vor Freude durch die Gänge des Senders. Das war ein toller, unvergesslicher Moment für alle, die daran beteiligt waren. Eine echte Pionierleistung. Was mich zudem persönlich aufstellte, war die Tatsache, dass wir nebst allen Innovationen ab einem Computer sendeten, dem Avid Airplay und – er funktionierte. Der erste digitale Sendeablauf der Schweiz. Das war zu jener Zeit eine absolute Neuheit, die bei einigen von unseren Partnern auch Zweifel auslöste. Standen wir doch am Anfang der Internet-Ära.

Du hast immer ein Händchen für Talente gehabt und diese gefördert. Einige Moderatorinnen und Moderatoren kennt inzwischen die ganze Schweiz. Zeigen „deine Entdeckungen“ im Nachhinein eine gewisse Dankbarkeit?
Ich denke schon, dass eine gewisse Dankbarkeit vorhanden ist. Es war schon immer mein Ziel, die jungen Menschen auszubilden. Das hat sich bis jetzt nicht geändert.

Grosse Erfolge haben auch die Musikvideos mit „Yello“ Dieter Meier und Boris Blank gehabt. Wie stehst du inzwischen mit beiden in Kontakt?
Beide sind gute Freunde von uns und der Familie und uns verbindet eine jahrelange Geschichte. Boris und seine Frau Patrizia sind ja unsere Trauzeugen. Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir sie sehen. Ich finde beide grossartig und willensstark. Dieter ist zudem ein wichtiger eCommerce-Kunde von uns geworden, der unsere Innovationen im TV und Web schätzt und auch für seine Produkte aus Argentinien und der Schweiz einsetzt.

Musikvideos sind genau deine Welt gewesen. Wie müssen wir uns einen Dreh mit der (entschuldige die Wortwahl) „durchgeknallten“ Nina Hagen vorstellen?
Nina ist auf keinen Fall durchgeknallt gewesen. Ich persönlich fand sie extrem spannend, sensibel, direkt und zuverlässig. Das zum Thema Dreh. Als Mensch war sie ziemlich aufwendig. Ihre Mutter, die Eva Maria sagte mir mal: „Wenn Nina nicht auf der Bühne stehen würde, wäre sie wohl im Irrenhaus.“

Welche Musik bevorzugst du um abzuschalten?
Die Musik der absoluten Stille. Mit realem Vogelgezwitscher gelingt es mir manchmal auch abzuschalten. Aber: wenn ich abschalten will, schalte ich einfach ab, egal zu welchem Sound.

In deiner Karriere sind Kinofilme ebenfalls stark verankert (www.tch.ch) oder Spielfilme die auf Star TV in der Primetime ausgestrahlt werden. Welche Filme schaust du eigentlich privat?
Den privaten Filmkonsum möchte ich eigentlich schon lange reduzieren. Bine und ich schauen nämlich fast täglich einen Film. Somit laufen wir unter dem Titel „Film- und Serien-Junkies“. Bine hat immer das Vorrecht, einen Film auszuwählen. Sie durchstöbert diesbezüglich die ganze Bahnhofstrasse und das Bellevue nach neuen oder alten Filmen. Ich schaue grundsätzlich gerne Abenteuer- und Piratenfilme. Alte und neue, bekannte und unbekannte.

1987 hast du zum zweiten Mal geheiratet. Mit deiner Frau Bine hast du einen grossen Teil deines Lebens zusammen verbracht. Wie fest ist sie deine Stütze im Ganzen?
Bine ist mein zweites ich. Sie ist mein Mainpartner im Geschäft und auch Privat. Sie war jahrelang bei Star TV für die Studio- und Live-Regie verantwortlich. Als Spielfilmcutterin kommt sie aus der Branche. Als dann Laura, unsere Enkelin, auf die Welt kam, hat sie sich immer mehr ihren grosselterlichen Pflichten gewidmet und damit auch die operative Verantwortung für unsere Familien übernommen. Zudem ist sie unsere Ernährungsministerin. Will heissen, sie bestimmt, was auf den Tisch kommt. All das macht sie mit so viel Talent, dass ich täglich von ihr schwärme. Bine und mich verbindet eine tiefe Liebe und wir sind nach 33 Jahren Ehe immer noch so verliebt wie zwei Teenager. Wenn ich sie anschaue, sehe ich immer eine wunderschöne Frau, der ich auch gerne bei ihrem täglichen Tänzchen zusehe. Sie ist aussergewöhnlich und macht mich zu dem Mann, der ich bin.

Mit „Star TV Medien“ und dem Szenesender „Game TV“ bewegst du täglich tausende von Menschen. Mal ehrlich: wie viel Zeit hast du noch für dein Privatleben?
Das ist eine gute Frage, die ich so nicht beantworten kann. Eigentlich arbeite ich immer. Ich denke, privates und geschäftliches ist bei uns so vermischt, dass ich das als eine Einheit sehe.

Wie sieht deine Zukunft aus?
Meine Zukunft ist unsere Zukunft. Ich würde gerne noch operativ tätig bleiben, aber vielleicht mal eine längere Reise zusammen mit meiner Frau unternehmen.

>> Wir wünschen dir alles Gute!

Interview by Pät Schreiber
Photo: Luca Michelli

#instagram #tv #startv 25 years ago Paul Grau went on air with Star TV (as the first national private tv station). Congratulations! In this time some big TV stations have come and gone, Star TV is still here.