Wir haben Roland Keplinger, Design Director bei Silhouette, zum Interview getroffen und mit ihm über (Sonnen-) Brillentrends und Kreativität in der Brillenbranche gesprochen. Das österreichische Unternehmen Silhouette hat mit ihren äusserst leichten Brillen das Brillengeschäft revolutioniert und produziert seit 1964 in Linz. Durch den extrem hohen Standard in der Verarbeitung sowie den Einsatz neuester Materialien und Fertigungstechnologien schaffen sie neue und innovative Produkte. Interview by Lorena Lareo

Silhouette ist eine Marke, die für ihre Innovation und den kreativen Geist bekannt ist. Wieviel persönliche Kreativität kannst du als Design Director einbringen?
Man wird Designer, gerade weil man kreativ sein will. Das ist die Grundvoraussetzung. Ich bin nun seit zehn Jahren bei Silhouette und arbeitete davor viele Jahre in einer Designagentur, wo mein Tätigkeitfeld sehr breit ausgelegt war (vom kleinen Hörgerät bis zum Fernseher). Natürlich habe ich mich anfänglich gefragt: «Nur Brillen? Genügt mir das?» Wenn man sich jedoch eingehend mit der Produktsparte auseinandersetzt, merkt man, dass sich da eine riesige Welt aufmacht. Mein Team und ich geniessen bei Silhouette sehr viel kreative Freiheit und legen grossen Wert auf Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen, wie die Forschung oder Entwicklung. Hinzu kommt, dass wir bei Silhouette international tätig sind. Mein Team betreut nicht nur Silhouette als «Muttermarke», sondern auch die Sportbrillenmarke Evil Eye. Fasst man beides zusammen, ergibt sich ein sehr vielfältiges Bild: Auf der einen Seite ein designtechnisch sehr minimalistisch ausgelegter Brand und auf der anderen Seite eine Sportmarke, bei welcher wir mit mehr Volumen spielen können – eine sehr interessante Mischung, um sich kreativ richtig auszutoben.

Wer trägt Silhouette? An welchen «Kundentyp» denkst du, wenn du eine Brille designst?
Sicher an eine Person, die Freude an Leichtigkeit und einem langfristigen Tragekomfort hat. Was nützt schon die schönste Brille, wenn sie schwer auf der Nase liegt und ständig runterrutscht? Wir richten uns also an Personen, die bewusst zu wohlgestalteten Dingen greifen. Silhouette ist keine Marke, bei der man sich eine fashionable Brille für das nächste halbe Jahr aussucht. Unsere Brillen sind langjährige Begleiter, die nachhaltig Freude bereiten. Dieser Anspruch spiegelt sich auch im Design wider.

Also ist Silhouette eine Marke für Generationen?
Durchaus! Wir stellen immer wieder fest: Wenn eine Kundin oder ein Kunde sich einmal für ein Silhouette-Modell entschieden hat, bleibt sie oder er der Marke oftmals treu. Viele möchten genauer wissen, wo und wie ihre Brillen produziert werden. Wir produzieren in Österreich, da ist alles sehr klar und nachvollziehbar. Zudem sind bei uns Ersatzteile auch für ältere Brillenmodelle noch sehr lange verfügbar, ein für unsere Kundinnen und Kunden sehr wichtiger Service.

Du hast erwähnt, dass Silhouette lokal in Österreich produziert. Wie wichtig ist Nachhaltigkeit für das Unternehmen und wie wird das in der Geschäftsphilosophie umgesetzt?
Bei Silhouette befassen wir uns seit längerer Zeit mit dem Thema Nachhaltigkeit. Einerseits schon damals, als die Gründerfamilie sich bewusst dafür entschieden hatte, in Österreich zu produzieren und somit gewisse Standards einzuhalten. Anderseits befindet sich unsere Produktion in einem Wasserschutzgebiet. Da ist es klar, dass wir besonders viel Acht darauf geben und sehr strenge Regeln befolgen müssen. Auch bei uns im Design-Team ist Nachhaltigkeit in vielerlei Hinsicht wichtig. Gerade wenn es um die Produktherstellung, die Auswahl der Materialien oder die Reduzierung des Abfalls geht, anerbieten sich Möglichkeiten für eine nachhaltige Arbeitsweise. Hier konnten wir uns über die Jahre hinweg stetig verbessern und werden dies auch künftig tun.

Kommen wir wieder zum Thema Design, genauer gesagt zur randlosen Brille. Da ist Silhouette Marktführer und überzeugt mit ihren Designs. Wie erklärst du diesen Erfolg?
Wenn man die letzten 20 oder 30 Jahre betrachtet, hat es in der Geschichte der Brille diverse Trendwellen gegeben. In der jetzigen Zeit bewegen sich diese Wellen immer schneller. Nicht nur auf den Catwalks, sondern auch auf der Strasse sieht man vermehrt Randlosmodelle. Klar hängen viele Trends auch von uns Designern ab. Zeichnet man beispielsweise fünf Jahre lang nur Brillengestelle mit breitem Rand, schlägt man oftmals irgendwann ins Gegenteil um.

Hast du das Gefühl, dass sich die Geschmäcker der Kunden bzw. die Trendwellen in den letzten 2 Jahren der Pandemie stärker verändert oder entwickelt haben?
Ich denke, dass der Sicherheitsaspekt das Konsumverhalten während der unsicheren Pandemiezeit sehr stark geprägt hat. Man ist viel zu Hause gesessen und modische Trends waren nicht so sehr ein Thema. Da viele aber aus beruflichen Gründen viel Zeit vor den Computer verbracht haben, ist es umso relevanter geworden, was man im Gesicht trägt. Man hat viel virtuell kommuniziert und dabei ist es wichtig, wie man wahrgenommen wird und welche Brille man trägt – ein Thema also, das viele beschäftigt hat. Auch Fragen, wofür man sein Geld ausgibt und wie viel Wert man auf Qualität legt, haben an Relevanz gewonnen. All dies hat die Trends ganz klar geprägt.

Und wo geht die Reise hin, wenn wir an Konsum, Trends und Design denken?
Die 2000er Jahre werden uns wohl noch ein Weilchen begleiten. Es gibt aber auch eine grosse Anzahl an Styles und Designs, welche ich sehr befürworte und selber toll finde. Eine Brille sollte nicht primär nach Trend ausgesucht werden. Die Brille muss zum Gesicht passen und nicht umgekehrt. Wenn es zum momentanen Trend passt, dann ist das natürlich super. Aber es gibt auch wundervoll stylische Brillen, welche die Trends überstehen, und auf die sollte man setzen.

Trägst du selbst Silhouette Brillen?
Ja, ich trage Sonnenbrillen und habe als Testträger immer diverse Brillen von Silhouette auf. Ich merke aber, dass bei mir langsam das Alter eintritt, in welchem ich vielleicht bald selbst eine Korrekturbrille brauchen werde und die wird selbstverständlich von Silhouette sein!

Und auf welche Brillenkreation bist du als Design Director besonders stolz?
Das ist, als würdest du einen Vater fragen, welches Kind er am liebsten hat (lacht). Wenn ich jedoch ein Modell wählen müsste, dann wäre das die «Fisher Island». Es wurde von der Jury mit dem Red Dot Design Award als «Best of the Best» ausgezeichnet – einem Award für wegweisende Gestaltung und die höchste Auszeichnung in dieser Kategorie. Die Brille ist modisch, aber auch äusserst funktional, da man sie für eine optimale, individuelle Passform auf jede Kopfbreite anpassen kann. Es handelt sich also um eine Brille, die den Award wirklich verdient hat!

Zum Schluss: wem würdest du gerne eine Brille aufsetzen?
Da Silhouette DIE optische Brille im Weltall ist, wäre es wirklich cool wenn ein Astronaut eine Silhouette bei der nächsten Mond- oder Mars-Landung tragen würde.