Zu den Dingen, die meine Zeit an der Uni verlängern, gehört mein Talent mich mit Menschen abzulenken statt zwischen Büchern in der Zentralbibliothek zu sitzen. Letzteres kommt zwar vor, aber auch hier verstehe ich es, den Tag abwechslungsreich zu gestalten: Zum Beispiel mit einer Pause gleich um die Ecke im Pop-up-Store «Print Matters!». Hier serviert mir Florian, der bald seinen PhD im Sack hat, während ich an meiner Bachelorarbeit bastle, einen Espresso. Ich fühle mich ein wenig wie in einer Bibliothek für Hipsters statt für Nerds: Auf Holzregalen reihen sich die besten Magazine der Welt – solche, die nicht an jedem Kiosk zu finden sind. Nach einem erfolgreichen Sommer mitten im Niederdorf, Erwähnungen in der NZZ und im Magazin der «Zeit» hat die Print-Matters-Crew den Samen für einen ständigen Laden gesetzt.

Während die einen Hefte zum Stöbern und Kaufen anbieten, lassen andere Burgers zu Hip-Hop-Beats brutzeln: An der ersten Zürcher Ausgabe von «Burgers & Hip Hop» im Exil durfte ich in der Jury sitzen und mich durch die Stände essen. Bei Sonnenschein kürten wir «Kung Fu Burger» zum Favoriten und auch Stress kam, um einen Bissen zu nehmen. Die Unterhaltung mit dem Lausanner Rapper drehte sich jedoch weniger um Kulinarisches, sondern off-the-record um Beziehungen: Ob ich nun einen Boyfriend hätte? Worauf meine Antwort wie vor einem Jahr lautete, als wir uns zufällig im Kreis 4 begegneten, dass ich keine Zeit für einen festen Freund hätte. Ich würde schon so viele Leute treffen und sei immer unterwegs. Gleichzeitig fand ich meine Begründung absurd, denn Andres aka Stress und Ronja Furrer sind bestimmt die grösseren Jetsetters und treffen wohl noch mehr Menschen als ich. Item.

On-the-record erzählte mir Dieter Meier, dass Boris Blank und er an einem neuen «Yello»-Album arbeiteten und bald auf Tournee gingen. Er war mein Gast auf «BalconyTV Zurich» und sang mit Gitarre sein Lied «Why this, why that and why?». Damit hatte er seinen ersten Einzelauftritt vor einer Kamera und wir eine Weltpremiere im Kasten! Meier sagte, sein Ziel sei jeden Tag etwas Neues zu lernen. Dieser intime Auftritt an einem verregneten Tag gehört wohl dazu. Das Resultat ist nun auf Youtube verewigt und auf balconytv.com/zurich abrufbar.

Einen Sommer ohne Abstecher nach Rapperswil kenne ich nicht, vor allem wenn das Seenachtsfest über die Bühne geht. Es ist quasi das Züri-Fäscht der Rapperswiler und ein Muss für jemanden, der in der Rosenstadt aufgewachsen ist. Bevor ich mich am Stand der Tibeterschule mit Momos (tibetische Ravioli) eindecke, treffe ich Stefanie Heinzmann auf ein Gespräch in ihrer Garderobe. Bei «The Voice of Switzerland» sass die Walliser Sängerin als einziger weiblicher Coach auf einem der vier Drehstühle, während sie bei «Popstars» nun in einer reinen Frauenjury agiert. Doch die Suche nach einer Girlband auf RTL sei harmonisch verlaufen! Deshalb das Strahlen? Sie sei einfach extrem dankbar für alles!

Um Dankbarkeit geht es auch in meiner webTV-Serie «Sag Merci mit Tanya» auf Blick.ch. Hier treffe ich Menschen, die sich bei ihren Liebsten mit einer Überraschung bedanken wollen und helfe ihnen dabei. Sie mögen zwar nicht zur Prominenz gehören, was sie jedoch nicht weniger spannend macht. Denn Menschsein ist immer eine vielschichtige Angelegenheit. Leider kann ich jedoch nur selten mehr als an der Oberfläche kratzen, weshalb ich nun versuche in die Tiefe zu gehen – zumindest was das Thema meiner Bachelorarbeit betrifft.